Robben Island. Man kennt den Namen, hat vielleicht schon davon gehört, dass hier Nelson Mandela und viele seiner Mitstreiter lange Zeit inhaftiert waren und der eine oder die andere haben schon darüber gelesen oder gesehen, wie in dem Gefängnis von Robben Island die Umwälzung in Südafrika und die Beendigung der Apartheid vorbereitet wurde.

Was man aber entdeckt und erfährt, wenn man seinen Fuß nach einer kurzen, etwas schaukeligen Schifffahrt auf diese geschichtsträchtige Insel setzt, können Bilder nur in Ansätzen und Texte kaum auf eine Weise darstellen, wie es wirklich war. Wie besser aus erster Hand – also von einem ehemaligen politischen Gefangenen von Robben Island – kann man einen Eindruck darüber gewinnen, was das Leben und Gefangensein während Apartheid bedeutete und wie enorm wichtig der Kampf dagegen und das Nichtaufgaben war.

Vom Schiffsanleger aus gehen wir zu Fuß durch ein steinernes Tor, welches fast trügerisch freundlich „Welcome“ und „Welkom“ sagt, hinauf zum Eingang in das Gefängnis, vor dem uns unser heutiger Guide und Ex-Insasse im Gefängnis Thulani Mabaso empfängt. Er nennt sich selbst mit seinem Spitznamen Walktall, also laufe aufrecht. Und genau das tut er: aufrecht und mit einer tiefen inneren Ruhe, die Arme stets hinter dem Rücken verschränkt, spricht er über seine Erfahrungen und die Geschichte von Robben Island und läuft durch die Gänge, in denen er so viel Leid erfahren musste.

Thulani ist ins Gefängnis gekommen, weil er in Johannesburg ein Militärgebäude in die Luft gesprengt hat, dabei betont er, dass niemand gestorben und ausschließlich Militärs leicht verletzt wurden. Kurz nach seiner Gerichtsverhandlung kam er nach Robben Island, wo er 18 Jahre einsaß.
Man betritt das Gefängnisgebäude durch den Eingang, durch den auch die Gefangenen hereinkamen. Hier mussten sie sich komplett entkleiden und verloren ihren Namen und ihre Identität und wurden mit einer Nummer ausgestattet. Weiterhin wurde man nach Rasse in Gruppen eingeteilt. Thulani gehörte wie Nelson Mandela zur Gruppe der schwarzen Insassen, die im Vergleich zu anderen Gruppen die schlimmsten Bedingungen im Gefängnis hinnehmen mussten. Sie hatten nur eine Matratze während andere ein Bett hatten, sie hatten in den kalten Gemäuern, durch die ständig der Wind pfeift, nur kurze Kleidung, während andere mit warmer Kleidung ausgestattet waren, sie bekamen weniger Essen als andere und so weiter.
Im Gefängnistrakt reihen sich kleine Zellen aneinander, in denen die Geschichten einzelner Insassen erzählt werden. Man bekommt einen Eindruck, wie es hier als Gefangener gewesen sein muss. Dann beginnt Thulani zu erzählen.

Wie er von weißen Wärtern gefoltert wurde, wie dieselben Wärter, als er eigentlich Besuch von seinem Vater bekommen sollte, lachend verkünden, sie hätten seinen Vater mit acht Kugeln durchlöchert. Aber auch, wie einige Wärter versuchten, den Insassen zu helfen, wie sie ein Informations- und Schmuggelnetzwerk aufbauten, wie sie ein internes Bildungssystem aufbauten, in dem man sogar Abschlüsse machen konnte. Und er erzählt von Nelson Mandela, der unermüdlich für die Umwälzung arbeitete, für Zusammenhalt und Gewaltlosigkeit sorgte und der 1994 zum ersten demokratischen Präsidenten Südafrikas und zu einem der vielleicht verdientesten Friedensnobelpreisträger aller Zeiten wurde. Nelson Mandela, der trotzdem nur einer von vielen Insassen in einem Gefängnis war, der wie Thulani nach allem, was er erlebt hat aufrecht stand und letztlich sein Ziel erreicht hat. Danke Thulani dafür, dass du immer wieder zurückkommst, um der Nachwelt zu sagen „wir alle müsse dafür arbeiten, dass das, was in der langen Zeit der Apartheid in Südafrika passiert ist, in Zukunft nicht noch einmal geschehen Möge“!
Thulani und seine Geschichte bleiben uns noch lange im Kopf, während wir mit einem Bus den Rest der Insel entdecken. Einst benannten die Niederländer die Insel nach dem niederländischen Wort für die bekannten Tier in Robben Island und nutzen sie zunächst als Jagdgrund für die Verpflegung bei der Fahrt um das Kap, ans Festland traute man sich nämlich wegen der gefährlichen Strömungen und Riffe lange Zeit nicht. Später kamen Leprakranke und psychisch kranke Menschen zur Isolation hierher, bis die Insel dann schließlich als Gefängnisinsel für verbrecherische und politische Gefangene wurde. Heute dient sie vor allem als Museum und auch Bildungseinrichtung für Schülerinnen und Schüler. Aber immer noch leben ca. 200 Menschen ständig auf Robben Island (frei und bei einer Verbrechensrate von 0%, wie betont wird), bemerkenswert ist, dass ehemalig Häftlinge und Wärter friedlich nebeneinander leben.
Der Besuch der Insel war ein besonderer Höhepunkt für uns und sollte ein Muss für jeden Besucher Kapstadts sein! Die anschließende Schiff- und Busfahrt zurück nach Vredendal verlief ausgesprochen Ereignislos…
Unsere Reise dokumentieren wir in einem Online-Blog ( https://www.instagram.com/sudafrika_ag_stsei/?hl=en ) und auf Instagram: #sudafrika_ag_stsei
Infos zu früheren Begegnungen finden Sie hier: https://stadtteilschule-eidelstedt.hamburg.de/index/verantwortung/partnerschule-suedafrika/
Die Sendung mit Filmbeiträgen zum Thema Demokratie, die wir im Mai 2018 mit unseren Partenrschülerinnen produziert haben, kann hier abgerufen werden: http://www.tidenet.de/tv/sendungen/schnappfisch?id=7969
Die Reise und das Projekt werden durch die Förderung im Rahmen des ENSA-Programmes der ENGAGEMENT GLOBAL gGmbH mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung möglich gemacht und unterstützt durch die Agnes-Graefe-Stiftung und die Behörde für Schule und Berufsbildung, Hamburg. Der Inhalt muss nicht mit den Ansichten der Zuschussgeber übereinstimmen.